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Von irgendwoher dringt ein fahles Licht zu mir - Richard. Ich taste mich zu ihm und ergreife sein Bein, ein kurzer, kräftiger Ruck, das Zeichen
zum losschwimmen. Nur langsam kommen wir voran, denn nun muß Richard auch noch die Sicherungsleine aufspulen! Fünf Meter weiter wird die Sicht wieder besser. Ich signalisiere
Abbruch, wir schwimmen zurück. Viele Tauchgänge und ein ganzes Jahr später kennen wir den Klinkerbrunnen wie unsere Westentasche. Wir wissen inzwischen, dass der Klinkerbrunnen
eher zur Kategorie Grotte gezählt werden muss, denn nur im südöstlichen Teil gibt es eine betauchbare Fortsetzung, aber die ist so eng, dass sie nur mit abgenommenem Gerät
betaucht werden kann. Auf dem Rückweg ist die Sicht dann absolut und unvermeidbar Null.
Eine der entscheidendsten Entdeckungen machten wir erst in jüngster Zeit: Etwa 14 m
südwestlich des Hauptschachtes gibt es einen zweiten Eingang in das System, ein Loch, gerade so groß, dass ein Mensch passieren kann. Eine Verbindung zum Klinkerbrunnen gibt es
nicht mehr, ein Versturz hat den Gang blockiert. In entgegengesetzter Richtung jedoch setzt sich der Gang fort! Eine erste Befahrung ergibt, dass sich der Gang sehr flach und eng
ca.15 m weit verfolgen lässt, dann gebietet eine unpassierbare Engstelle Einhalt. Bei einer zweiten Befahrung beseitigen wir in einer mehrstündigen Aktion den Versturz in der
Engstelle und können diese tatsächlich unter großen Anstrengungen passieren. Nach weiteren 10 m Kriechstrecke stehen wir unvermittelt in einer großen Halle; über 7 m hoch und 10 m
lang. Erschöpft aber glücklich sinken wir zu Boden und betrachten die Halle im Scheinwerferlicht. Der Atem kondensiert in der Luft und ich glaube mein Herz schlagen zu hören.
Richard erholt sich als erstes und beginnt mit der weiteren Erforschung. Plötzlich zerreißt ein Jubelschrei die Stille, ich haste sofort zu ihm. Vor seinen Füßen liegt ein zweites
Wasserbecken! Spontan taufen wir das Becken "Hoffnung ". Das Wasserbecken hat nur einen Durchmesser von einem Meter aber die UW-Scheinwerfer können den Grund nicht
erfassen.
Bei einer weiteren Befahrung wollen wir in diesem Wasserbecken tauchen, doch unsere "Hoffnung" wird zunächst zum Martyrium. Für die 25 m vom
Höhleneingang durch die Engstelle benötigen wir mit Tauchgerät eine gute Stunde. Erst in der großen Halle können wir die Trockentauchanzüge anlegen. Den ersten Vorstoß wird
Richard allein vornehmen, denn für zwei Taucher ist natürlich kein Platz.
Wie jedes mal wenn man eine Engstelle zu überwinden hat, stellt sich die Frage, ob man mit dem
Kopf oder den Flossen voran geht. Geht man mit den Flossen voran, so kann man jederzeit vorwärts wieder zurückzugehen falls es keine Möglichkeit zum Drehen gibt, andererseits
haben die Flossen leider keine Augen zum sehen. Richard entscheidet sich für die zweite, die gefährliche Variante; er geht mit dem Kopf voran! Eine äußerst riskante Entscheidung,
und tatsächlich endet sie beinahe in einem Desaster. Gerade verschwinden seine Fußsohlen unter der Wasseroberfläche, als ein gewaltiger Blasenschwall aufsteigt. Augenblicklich
beginnt sich Richards Körper zu winden hastig arbeitet er sich rückwärts heraus. Ich ergreife seine Beine und zerre ihn aus dem Wasser. Noch heute denke ich mit Schrecken an diese
Situation zurück. Beim Abtauchen über Kopf hatte der Lungenautomat plötzlich Wasser gezogen! Natürlich haben wir unsere Tauchgänge fortgesetzt. Nur soviel möchte ich verraten:
hier geht es weiter!
Der Klinkerbrunnen ist sicher eines der letzten Tauchabenteuer in unserer Heimat und eine kleine Sensation für den norddeutschen Taucher. In seinen
abgelegenen Fortsetzungen wird der Klinkerbrunnen entschlossene Aktivisten noch lange in Atem halten. Der große Höhlensee sollte gefahrlos betauchbar sein, solange jeder Taucher
die Grundregeln des Höhlentauchens beherzigt. Kaum eine betauchbare Höhle in Deutschland ist heute nicht verschlossen oder für Taucher tabu, zu viele Unfälle hat es gegeben. Nur
eine konsequente, realistische Selbsteinschätzung und die Einhaltung der bekannten Sicherheitsregeln für das Höhlentauchen können den Klinkerbrunnen vor dem gleichen Schicksal
retten.
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