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Für nicht wenige UW-Fotografen ist die alljährlich im Januar stattfindende Düsseldorfer „boot“ ein Orientierungspunkt. Wo läuft es hin? Was wird geboten? Warum
gibt es dieses oder jenes noch nicht oder nicht mehr? Herbert Frei über Sachen, die Freude machen und solche, über die man sich nur wundern kann.
Wer sich in Halle 3, dem Tauchermekka aller Junggebliebenen, an den Ständen der UW - Gehäusehersteller als überzeugter Analogfotograf
outete, musste sich vorkommen wie ein Gourmet, der sich in eine Dönerbude verlaufen hat. Trends waren im Prinzip keine mehr auszumachen, denn die digitalen Welten
haben nun wohl endgültig die Herrschaft an sich gerissen und den Film weitgehend verdrängt. Im Amateurbereich, wohlbemerkt. Die Elite der UW - Fotografen, insbesondere
Wettbewerbsteilnehmer, Semiprofis und Profis mit höheren Ansprüchen, werden aber weiterhin dem Dia die Stange halten. Jedenfalls konnte man das aus den Gesprächen
heraushören. Wie lange diese Freundschaft anhalten wird, entscheiden aber die Filmhersteller mit ihrer Preisgestaltung. Diafilme, das ist zu befürchten, werden im Sog
des digitalen Rausches unausweichlich teurer werden. Irgendwann nähern sie sich einer finanziellen Schmerzgrenze, die man nicht mehr freudestrahlend überschreiten
wird. Relativ unbelastet von diesen Tatsachen gibt sich die Nikonos RS, deren Gebrauchtpreise zwar auch etwas im Fallen sind, die sich aber einen harten Kern an
Verehrern erhalten konnte. Grund sind die unnachahmlich guten UW - Objektive — insbesondere im Weitwinkel- und Fisheyebereich - deren Abbildungsqualitäten immer
noch unerreicht sind und das auf absehbare Zeit auch bleiben werden. Die quantitativen Stars der Fotoszene waren unangefochten die digitalen Kompaktkameras, die
nach Auskunft eines Brancheninsiders wie frische Brezeln über den Ladentisch gingen. Wen wundert`s, gibt es doch schon akzeptable Einsteigersets (Kamera +
Polycarbonatgehäuse) für den Preis von vier billigen Winterreifen. Das wiederum würgt am Hals der UW - Gehäusehersteller. Wie soll man unter diesen Umständen noch eine
Metallhülle mit diversen Frontports konstruieren? Und die auch noch zu einem moderaten Preis offerieren? Hochwertige Metallgehäuse, das konnte man ausmachen, lohnen
sich nur noch für hochpreisige digitale Kompaktkameras, deren Produktionszeit mindestens 2-3 Jahre andauert. Dem Produktionsangebot der transparenten Kunststoffbomber
und ihren Dumpingpreisen sind, wenn man es genau betrachtet, nicht einmal mehr die Hersteller von Weichplastikgehäusen gewachsen. Die Lust am Knipsen
ist groß, der Spaß am Fotografieren - so scheint es - hingegen weniger. Die digitalen Aufnahmen treiben so manchen in einen Auslöserausch, auch wenn die Bilder nicht
mal den Akkustrom wert sind, mit dem sie gespeichert werden. Geklagt wurde nämlich bei den Blitzgeräteherstellern über die langen Blitzfolgezeiten, die geringen
Kapazitäten und die lange Ladedauer der Akkus. Manche Amphibienblitzgeräte, so wurde von den Schnell- und Vielschießern gemosert, halten nicht mal 200 Bilder in Folge
durch. Wie soll man da einen Tauchgang in Ruhe zu Ende bringen? Verlangt wurden Minigeräte mit einigen Hundert Blitzen in Folge. Ein genervter Hersteller zu
UnterWasserWelt: So iss es, vergiss es! Ganz andere Sorgen plagen UW - Fotografen, die mit einer digitalen SLR die Meere bereisen. Dauerbrenner in den Gesprächen
waren die hochkomplizierten TTL - Blitzsteuerungen, die sich bis auf wenige Ausnahmen allen Entschlüsselungen entziehen. Nicht einem Amphibienblitzgerätehersteller, so
konnte man hören, sei es gelungen die Blitzprotokolle von E-TTL (Canon) und i-TTL (Nikon) komplett und fehlerfrei zu entschlüsseln. Dieser Schuh drückt sowohl
Blitzgerätehersteller als auch Kunden. SLR - Kamera und amphibischer TTL - Blitz sind auf dem besten Weg eine Bruderschaft der Hoffnungslosigkeit zu werden. Selbst
glühende Verfechter der digitalen UW - Fotografie beklagen einen Zustand, der eigentlich gar keiner ist. Das Prinzip der digital - optimierten TTL - Blitzsteuerung in
amphibischen Blitzgeräten gleicht nämlich in vielen Fällen einer nicht enden wollenden Metamorphose. Mal blitzt es korrekt, mal nicht. Manchmal hat man den Eindruck,
die Schwarzen Löcher im Weltraum sind erforschter als die TTL - Blitzsteuerungen von Digitalkameras. Unter diesen Umständen muss man den Mut von Leuten
bewundern, die ihre funktionale analoge Spiegelreflexkamera, mit der sie bis jetzt gut zurechtgekommen sind, gegen eine vom Zufalls - Blitzbelichtungsprinzip
beherrschte digitale SLR eintauschen. Die Faszination des schnell verfügbaren Bildes obsiegt in vielen Fällen gegen jede Vernunft. Dass über diese Thematik in den
einschlägigen Medien so gut wie nie etwas gedruckt wird, hat möglicherweise weniger mit mangelndem Wissen als vielmehr mit medialer Verwahrlosung zu tun. Man überlässt
die angehenden und auch etablierten UW - Fotografen sich selbst, und diese stehen dann irgendwann mit einer hochkomplizierten Digicam am Tresen eines
Amphibienblitzgeräteherstellers und blicken ärgerlich bis verwundert in die Gegend, weil die dortige Hilfe auch nicht viel hilft. Erfreulich: Canon und Olympus
waren mit eigenen Ständen vertreten. Die UW - Fotografie macht bei diesen Firmen zwar nur 1 bis 2 % des Umsatzes aus, aber man erkennt, dass hier Potential vorhanden
ist. Dabei geht es weniger um engagierte Amateure und Profis als vielmehr um die Zielgruppe der Gelegenheitsknipser und Urlaubsfotografen. Die Masse ist es, die für
Umsatz sorgt.
Wohin führt die digitale Fotografie? Wenn man die Statistik betrachtet, kommt man selbst als kritischer Beobachter zum Schluss, dass
digital zu fotografierten ein Volkssport geworden ist. Nie zuvor wurden mehr Kameras verkauft wie im Jahre 2004. Die Menschen, soviel sie auch über ihren finanziellen
Zustand klagen, befinden sich in einem wahren Bilderrausch. Nach Herstellerangaben beliefen sich die Verkäufe von Kameras im vergangenen Jahr auf über 8,3 Millionen.
Davon waren immerhin noch 1,3 Millionen analoge Modelle. Tot ist diese Sparte deshalb noch lange nicht. Nach Auskunft von Fuji buhlen derzeit etwa 100 Hersteller mit
über 500 Digitalmodellen um die Gunst der Käufer. Hier den Überblick zu behalten ist schwerer als 100 m in 5 Sekunden zu laufen. Hinzu kommen etwa 10 Millionen
Fotohandys. Ein Zukunftsmarkt, den man nicht übersehen darf. Schon werden für Handys auch UW - Gehäuse angeboten, vereinzelt für Tiefen, wo bereits Tec - Equipment
erforderlich wäre. Ein nicht unbeträchtlicher Teil der Digitalfotografen druckt trotz höherer Preise die Bilder selbst aus. Die anderen überschwemmen die
Fotofachgeschäfte und Bilderdienste im Internet. Ingesamt beliefen sich die 2004 ausgedruckten Bilder von Fotofachbetrieben und Haushaltungen auf über 6 Milliarden in
Deutschland. Ein Wachstumsmarkt mit Zukunft. Doch was machen die Menschen mit diesen Bildern? Liegen sie in Schuhschachteln? Oder kleben sie in Alben? Und was ist mit
all den anderen, die versteckt auf irgendwelchen Festplatten geparkt sind? Das sind sicherlich auch noch einige Hundert Millionen. Nehmen wir an, 0,1 Promille sind
davon unter Wasser gemacht, dann wären das etwa 6 bis 7 Millionen UW-Bilder. Weshalb werden dann angesichts dieser Bilderflut im Print noch falsch belichtete und
unscharfe Aufnahmen abgedruckt? Oder ist es so, dass, die wirklichen Topaufnahmen immer noch von Dia-Fotografen produziert werden, weil die sich überlegen, ob und wann
sich das Abdrücken lohnt oder nicht? Vermutet wird, dass die Verkäufe von Digitalkameras ab 2008 etwas abflachen. Statistisch gesehen hat dann
jeder Haushalt 2 Digicams. Müssen es mehr sein? Das wohl nicht, aber die Ansprüche werden steigen und das Geschäft mit digitalen Spiegelreflexkameras entsprechend
anziehen. Gut für die UW - Fotografie, denn hochwertige Digitalkameras verlangen auch nach entsprechenden UW - Gehäusen. Verbunden ist damit die Hoffnung auf eine
hochwertige Digitalfotografie, die sich auch mit Bildgestaltung auseinandersetzt.
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