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Auf der boot 2010 konnte man ihn das erste Mal sehen, aber das Display durfte nicht aus der Nähe fotografiert werden, Atomic wollte sich
bei seinem luftintegrierten Computer COBALT nicht in die Karten schauen lassen. Ein Jahr später kam man dem Instrument am Messestand schon ein Stück näher, zunächst
beeindruckt vom gestochen scharfen Bildschirm mit leuchtend klaren Anzeigen. Als das Demomuster in der Redaktion eintraf wandelte sich abgeklärte Distanz zu spontaner
Begeisterung.
Hand aufs Herz liebe Leserinnen und Leser, wie intensiv mussten Sie sich anfangs mit Ihrem Tauchcomputer beschäftigen, mit Hilfe
einer dicken und meist recht klein gedruckten Anleitung, bis Sie das Gefühl hatten, die wichtigsten Funktionen zu beherrschen? Der COBALT ist unserem Eindruck nach
der erste Tauchcomputer, der trotz seiner vielfältigen Möglichkeiten, nahezu ohne Anleitung verstanden und bedient werden kann. Dieser „Aha – Effekt“ hat
uns schwer beeindruckt. Den Entwicklungsingenieuren von Atomic ist es tatsächlich gelungen, das Instrument durch und durch so zu gestalten, dass es wirklich intuitiv,
geradlinig und wie ein Computer bedient werden kann. Hut ab! Trotzdem, nehmen Sie sich ein wenig Zeit, sich der gut gestalteten Anleitung zu widmen, so lernen sie den
COBALT in ein paar Minuten rundum kennen.
Man hat bei Atomic an nichts gespart, um den COBALT zu einem einzigartigen Tauchgangrechner zu machen. Auffällig sind
zunächst die 4 großen Tasten (magnetische Druckübertragung) und das großzügige AMOLED Farbdisplay (4x5,2 cm B/H). AMOLED ist eine innovative Weiterentwicklung der OLED
– Displays (Organic Light Emitting Diode), die so hell und kontrastreich sind, dass man auch bei vollem Tageslicht den Bildschirm einwandfrei sieht. Bei einem
AMOLED – Display (Active Matrix Organic Light Emitting Diode) ist zudem jedes einzelne Pixel elektrisch mit einer Matrix verbunden und wird so zum Leuchten
gebracht. Diese Technik erst ermöglicht die gestochen scharfe Darstellung sämtlicher Bildschirminhalte. Eine dicke Gummierung schützt die untere Hälfte
des Geräts. In der Unterseite sind auch die Drucksensoren und Kontakte für den Ladeanschluss bzw. die Kommunikation mit einem PC platziert. Der Rechner schläft nie,
auch wenn ein dunkler Bildschirm das vermuten ließe. Der Umgebungsdruck wird kontinuierlich gemessen und automatisch in die Tauchgangberechnung einbezogen. Die
manuelle Einstellung eines Bergseemodus entfällt also. Die Grundlage zur Sättigungsberechnung ist der bekannte und vielfach in Tauchcomputern verwendete RGBM
Algorithmus von Dr. Bruce Wienke unter Einbeziehung von 15 Geweben mit Mikroblasen vermeidenden Tiefenstopps. Kopfzerbrechen bereitet dem Wettbewerb zweifellos die
Kapazität des eingebauten Lithium - Iionen - Akkus, die stattliche 50 Stunden Tauchzeit ermöglicht. Übers Netz wird der Akku in zwei Stunden wieder geladen,
in 4 Stunden über den USB - Anschluss. Da geht bei anderen Rechnern mit Farbdisplay schon nach 1/5 dieser Zeitspanne das Licht aus. Und da setzen die 600 Stunden
Tauchgangspeicher, sprich Logbuch, noch eins drauf. Der reicht im Durchschnitt für etwa 800 Tauchgänge von einer mittleren Tauchzeit von 45 Minuten. Bis zu drei
unterschiedliche Atemgasgemische können für einen Tauchgang programmiert werden, ein Sauerstoffanteil bis 99% ist dabei berechenbar. Natürlich ist der Gaswechsel am
COBALT während des Tauchgangs durchführbar. In jeweils drei Stufen wird der Rechner an die während eines Tauchgangs zu erwartende körperliche Belastung (Strömung,
Arbeit) und die Art der Sättigungsberechnung (konservativ, moderat, standard) angepasst. Für den Luftvorrat können zwei Alarme gesetzt werden, dazu ein Tiefenalarm
(nützlich etwa bei Nitroxtauchgängen). Das Bildschirmdesign setzt auf unterschiedliche Farben und Größen der angezeigten Werte. Grün macht deutlich, dass die
Sättigungsgrenze oder Aufstiegsgeschwindigkeit im „Grünen Bereich“ ist, gelb macht darauf Aufmerksam, dass im weiteren, unveränderten Tauchgangverlauf mit
Warnungen zu rechnen ist, rot markiert absolut zu berücksichtigende Umstände rund um Deko, Stickstoff- und Sauerstoffsättigung oder zu schnellem Aufstieg. In
kritischen Fällen erscheinen zudem Bildschirme mit deutlichen Warnhinweisen. Bei schweren Verstößen wird der COBALT für Tauchgänge innerhalb der nächsten 24 Stunden
gesperrt. Um nicht vom Weg abzukommen, hat Atomic dem COBALT einen digitalen Kompass spendiert. Eigentlich ist die Kalibrierung des Richtungsweisers der einzige
Punkt, den man in der Anleitung nachlesen muss. Außerdem darf man die Originalverpackung nicht gleich entsorgen, denn diese stellt auch das Hilfsmittel zur
Kalibrierung, die keine 2 Minuten Zeit in Anspruch nimmt. Warum muss ich den Kompass überhaupt kalibrieren, werden sich viele fragen. Ganz einfach, es gibt weltweit
viele geologische Gegebenheiten, die eine Kompassnadel von der einwandfreien Ausrichtung nach Norden ablenken. Größere Erzvorkommen sind hier an erster Stelle zu
nennen. Deshalb zeigen nicht kalibrierbare Kompanden etwa rund um die Insel Elba einen unkorrekten Kurs. Das schließt die Kalibrierungsfunktion des COBALT aus. Tauchen
Sie in Bayerischen Seen, dann genügt eine Kalibrierung, geht’s nach Elba oder ans Rote Meer, gibt man dem Kompass die Möglichkeit, sich auf die neuen
Verhältnisse abzugleichen. Dann sind Sie als Taucher mit genaueren Zieldaten unterwegs, als viele Skipper und Kapitäne in Ihrer Nähe. Die klare Anzeige des Kompass
verliert erst in senkrechter Stellung des COBALT an Genauigkeit, was als beeindruckend zu vermerken ist. Das intuitive Moment des Computers ist schnell erklärt.
Man manövriert durch sämtliche Bereiche und Untermenüs mit den 4 großen Richtungstasten und bestätigt Eingaben mit der durch einen Punkt markierten rechten Taste.
Jeder Einstellungspunkt, jedes Menü wird auf dem Bildschirm didaktisch einwandfrei kurz erklärt, man ist sofort in der Lage, persönliche oder tauchgangbedingte
Einstellungen vorzunehmen. Das ist vorbildlich und schließt Bedienungsfehler aus, wie sie bei ausschließlichen Urlaubstauchern vorkommen, die ihren Tauchcomputer immer
nur im Abstand einiger Monate einsetzen. Uns gefällt auch die Organisation des Logbuchs, das im vorgewählten Intervall eine Grafik des Tauchgangverlaufs beinhaltet,
die man durchscrollen kann. Zu jedem gespeicherten Punkt werden die Tiefe, die verstrichene Tauchzeit, der Flaschendruck, das Atemgas, die Wassertemperatur, der Status
und die verbleibende Nullzeit angegeben. Die Tauchgangdaten sind mittels USB – Verbindung einfach und schnell über die Atomic – Software auf einen
PC oder Laptop zu übertragen. Die Auswertung der Tauchgangdaten ist dann noch wesentlich umfangreicher möglich, dazu kann man jeden Tauchgang noch mit Tauchplatz,
Wetter und Buddydaten individuell beschreiben. Dünner und entsprechend leichter ist der Hochdruckschlauch mit Kevlar – Ummantelung. Kevlar hat in Bezug auf
sein Gewicht die größte Zugfestigkeit aller im Handel verfügbaren Fasern, weshalb unter anderem auch schusssichere Westen daraus gefertigt werden. Somit ist klar, dass
dieser Hochdruckschlauch wesentlich robuster als die sonst verwendeten Gummischläuche ist und sich hohen mechanischen Belastungen (Wracktauchen, Höhlentauchen)
gegenüber als äußerst resistent erweist. Und damit der COBALT nicht am Reglerset verbleiben muss, ist er werkseitig schon mit einer Schnellkupplung ausgestattet.
Praxis
Nach den vielen positiven Eindrücken über Wasser, wird es Zeit, die Tauchtauglichkeit zu überprüfen. Hier stehen zwei Fragen im Vordergrund:
Kann man sämtliche Infos, vor allem auch jene, die als „weniger wichtig“ sortiert kleiner dargestellt werden, als lesebrillenpflichtiger User auch mühelos
ablesen und wie verhält sich die spiegelnde Oberfläche des Displays? Erfreulicherweise sind auch die kleiner eingeblendeten Zahlen gut lesbar und die Spiegelungen
am Display haben für den Taucher selbst keine Bedeutung, eher für die begleitende Technikredakteurin beim Videodreh. Klar, hell, scharf, so können wir die Anzeige
beschreiben, übersichtlich und durch die grafischen Elemente (Punktdiagramm für Sättigung und Aufstiegsgeschwindigkeit) mit einem Blick erfassbar. Die Zuschaltung
des Kompass oder die Gaswechsel sind auch mit dicken Handschuhen über die großen Tasten ein Kinderspiel. Man ist mit diesem Instrument auf Anhieb vertraut, eine
Eingewöhnungsphase entfällt. Mit etwa 317 Gramm liegt der COBALT gut in der Hand, zudem rutschfest durch die Gummierung an der unteren Gehäusehälfte. Einem Kompasskurs
zu folgen ist also ermüdungsfrei möglich.
Fazit
Der COBALT ist wohl eines der verführerischten Instrumente, seit es Tauchcomputer gibt. Er kann
(fast) alles und das auch noch ganz einfach. Brauchen Sie aber auch noch Tauchplatzkarten im Computer darstellbar oder bevorzugen Sie ein Armbandmodell mit Sender,
dann ist der COBALT, vielleicht, nicht Ihr Ding. Suchen Sie nach einem innovativen Rechner mit beispielloser Anzeigequalität, langer Akkulaufzeit, einem einzigartigen
Kompass, 3 Atemgasprogrammierungen, absolut intuitiver Bedienung und einem Logbuch mit lexikonartigem Speichervolumen, dann dürfte der COBALT interessant für Sie sein.
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